Struktur des CCWI

Das Competence Center Wirtschaftsinformatik ist organisatorisch bei den Fakultäten Informatik und Mathematik und Betriebswirtschaft angesiedelt. Durch das Engagement des CCWI in der Lehre werden interessierte Studierenden frühzeitig gefördert und in die Forschungsarbeit integriert. Industriepartner beteiligen sich an Forschungsprojekten mit praxisnahen Themen und aktiver Unterstützung. Unsere Universitätspartner ermöglichen engagierten Studenten die Durchführung kooperativer Promotionen.

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Das CCWI arbeitet auch eng mit weiteren Forschergruppen der Fakultät Informatik und Mathematik im Forschungsfeld Angewandte Informatik in der Wirtschaft (FAIWi) zusammen. Folgende Forschungsbereiche werden aktuell in mehreren Projekten gemeinsam bearbeitet:

Forschungsbereich Distributed Systems, Middleware und E-Services

Der Forschungsbereich um Prof. Mandl umfasst zwei Schwerpunkte. Zu einem wird  die  Nutzung verteilter Middleware in konkreten Anwendungsszenarien untersucht. Middleware-Plattformen stellen eine wichtige Basis für Serviceorientierung (SOA) sowie in der Verarbeitung von sehr großen Datenmengen dar.  Auf Basis von Standards und Open-Source-Lösungen werden komplexe Anwendungsszenarien betrachtet. Weiterhin werden Problemstellungen, die eine massiv parallele Verarbeitung  unter Anwendung georeplizierter Datenhaltung  benötigen, untersucht. Im Rahmen der derzeit mit unseren Partnerunternehmen im Aufbau befindlichen Hadoop­ResearchCluster-Initiative sollen konkrete Anwendungsszenarien aus der Industrie  erforscht werden.

Zum anderen werden auf der Basis verteilter Middlewareplattformen  neue Internet-basierte und mobile Dienste entwickelt. Beispielsweise wird erforscht, inwieweit die derzeitigen E-Commerce-Lösungen soziale Interaktion unterstützen und welche neuen Dienste sinnvoll sind, um die Verkaufsunterstützung durch Social Media weiter zu verbessern . Hierzu zählt unter anderem die Analyse von Daten aus sozialen Netzwerken, wie beispielsweise Twitter. Über die Auswertung von verfügbaren Informationen, einschließlich Kontextinformationen, werden neuartige Services für die Entscheidungsunterstützung  konzipiert, evaluiert, implementiert und erprobt. Beispiele hierfür sind die Unterstützung des Informations- und Kaufprozesses im Onlinehandel, Dienste für die Rating-Unterstützung im E-Commerce, die Unterstützung von Produktinnovationen  sowie Dienste für die Entscheidungsunterstützung von Reisenden (mobiler Personen).  Besonderer Wert wird hierbei auf datenschutzrechtliche Aspekte gelegt.

In konkreten Anwendungsszenarien arbeitet der Forschungsbereich interdisziplinär vor allem mit den Forschungsbereichen  IT Security, Mobile Computing und Business Analytics eng zusammen.

Forschungsbereich DreiM – Mensch-Maschine-Management

In diesem Forschungsbereich um Prof. Lindermeier werden persönliche, soziokulturelle und organisatorische Einflüsse auf die Qualität von Arbeitsergebnissen bei der Softwareentwicklung untersucht. Ein aktuelles Forschungsvorhaben widmet sich dabei der Verbesserung von Softwarequalität. Im Zentrum dieses Vorhabens stehen Untersuchungen zur Effektivität von Softwareentwicklungsmaßnahmen auf Basis einer fehlerorientierten Sicht- und Handlungsweise.

Die Popularität der agilen Softwareentwicklung nimmt stetig zu. Über mehrere Jahre hinweg haben sich unterschiedliche agile Vorgehensmodelle entwickelt, wobei Scrum und eXtreme Programming sich als die in der Praxis am häufigsten eingesetzten Modelle erwiesen haben. Agile Vorgehensmodelle legen den Fokus unter anderem auf die Kommunikation und die Interaktion zwischen verschiedenen Interessensgruppen. Speziell Scrum benutzt unterschiedliche papierbasierte Medien wie Karteikarten, Pinnwände usw., um Scrum-Artefakte zu verwalten. Papier ist sehr einfach zu benutzen und preiswert einzusetzen, jedoch mit Nachteilen verbunden, die durch den Einsatz moderner Medien adressiert werden können. Moderne computerbasierte Medien (z.B. Tablets, Multi-Touch Displays) vereinen theoretisch die Vorteile des Papiers und moderner Technologie. Sie bringen Vorteile z.B. für die Mehrbenutzerinteraktion, die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht sowie das verteilte Arbeiten mit sich.

Es gibt wenig empirische Forschungsergebnisse über den Einsatz moderner computergestützter Medien in der agilen Softwareentwicklung und deren Auswirkungen auf den zugrundeliegenden Arbeitsprozess, speziell im Kontext der verteilten Zusammenarbeit. Deshalb untersucht der Forschungsbereich, wie und warum moderne computergestützte Medien Teilbereiche des agilen Softwareentwicklungsprozesses beeinflussen. Im  Forschungsbereich  u.a. untersucht, ob und — wenn ja — wie man die Effektivität agiler Vorgehensweisen durch den Einsatz neuer Medien steigern kann.

Eine enge Zusammenarbeit im den anderen Forschungsbereichen ergibt sich durch die Betrachtung gemeinsamer Anwendungsszenarien. Projekte der anderen Forschungsbereiche werden für empirische Untersuchungen  genutzt.

Forschungsbereich IT Security

Im Fokus der im FAiWi integrierten Forschergruppe Munich IT Security Research Group (MuSe) um Prof. Hof steht die systematische Erstellung von sicheren Softwaresystemen, der sichere Betrieb von IT-Systemen sowie benutzbare, also mit realistischem Aufwand erreichbare Sicherheit. IT-Sicherheit ist ein Querschnittsthema, welches auch die anderen Forschungsbereiche betrifft. Im Bereich „Systematische Erstellung von sicheren Softwaresystemen“ werden Prozesse und Werkzeuge entwickelt, die eine bessere Verankerung von IT Sicherheit in agilen Softwareentwicklungsprozessen (z.B. Scrum) erreichen sollen. Die systematische Berücksichtigung von IT Sicherheit bereits im Softwareentwicklungsprozess führt zu Software mit weniger Verwundbarkeiten. Da durch Angriffe, die Verwundbarkeiten von Softwaresystemen ausnutzen, heutzutage großer Schaden entsteht, hat die systematische Erstellung von sicheren Softwaresystemen eine große Bedeutung in der praktischen Informatik. Im Bereich „Sicherer Betrieb von IT-Systemen“ stehen aktuell Web-Anwendungen im Fokus. Web Application Firewalls sind ein gängiges Mittel um Web-Anwendungen gegen Angriffe zu schützen. Die Forschergruppe verfolgt hierfür einen Massive Multi Sensor Ansatz. Im Themenbereich „Benutzbare Sicherheit“ wird ein Design Guide für den Entwurf von gut benutzbaren Sicherheitsmechanismen entwickelt. Da der Faktor Mensch in der IT-Sicherheit eine große Rolle spielt, wird durch gute Benutzbarkeit die Gesamtsicherheit von Softwaresystemen verbessert. Bisherige Arbeiten anderer Forscher beziehen sich vor allem auf einzelne Anwendungen und sind damit nur begrenzt übertragbar. Der Design Guide nennt Regeln für gute Benutzbarkeit für die drei Gruppen Endanwender, Administratoren und Software Entwickler. Zukünftige Arbeiten werden eine weitere Differenzierung nach Einsatzszenarien vornehmen.

Forschungsbereich Software Engineering

Die Forschungsgruppe „Software Engineering“ um Prof. Hammerschall beschäftigt sich mit den frühen Phasen im Softwareentwicklungsprozess, insbesondere mit den Methoden im Requirements Engineering Prozess und ihrer Anwendung in traditionellen sowie in agilen Vorgehensmodellen. Dabei steht der systematische Übergang von den Anforderungen zum Softwareentwurf im Vordergrund. Eine Zusammenführung der Ergebnisse der beiden FAIWi-Forschungsbereiche „DreiM“ und „Software Engineering“ ist angedacht. Weitere Forschungsaktivitäten beschäftigen sich mit den Themen Serious Games und Gamification im Software Engineering Prozess. In diesem Kontext wird untersucht, wie die Qualität des Entwicklungsprozesses und seiner Artefakte durch Gamifizierung (d.h. die Anwendung von Spieleelementen und Spieleprozessen im Nicht-Spiele-Kontext) verbessert werden kann. Ein aktuelles Ergebnis dieser Aktivitäten ist die Konzeption und prototypische Implementierung einer Spielekomponente für Integrierte Entwicklungsumgebungen (IDE). Als weiteres Thema ist kürzlich der Entwurf mobiler Anwendungen hinzugekommen. Im Fokus steht die Adaptierung traditioneller Entwurfs- und Modellierungsmethoden auf mobile Anwendungen unter  Berücksichtigung ihrer Besonderheiten, wie heterogene Plattformen, flexible Verbindungsmuster und hochgradige Vernetzung.

Forschungsbereich Mobile Computing

Der Fokus dieses Forschungsbereichs, den Prof. Wischhof verantwortet, liegt auf mobilen Anwendungsszenarien für Kommunikationstechnologien (siehe Leitinnovationen der Hightech-Strategie IKT 2020 der Bundesregierung). Insbesondere spielt eine große Rolle, den Straßenverkehr durch einen Informationsaustausch zwischen Kraftfahrzeugen effizienter und sicherer zu machen.. Die Zielsetzung des Forschungsbereiches ist dabei zweigeteilt: Zum einen werden grundlegende Themen der effizienten Informationsverbreitung (Überlastvermeidung, Datenaggregation) untersucht. Zum anderen wird ein großer Wert darauf gelegt, kommunikationsbasierte Fahrzeugfunktionen mit Hilfe von realitätsnahen Prototypen erlebbar zu machen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Untersuchung neuer Kommunikationsverfahren im Automotive Bereich mit Hilfe von Netzwerksimulationen. Basierend auf eigenen Erweiterungen der weit verbreiteten Simulationsplattform OMNET++ wird die selbstorganisierende (Ad-Hoc) Kommunikation zwischen Fahrzeugen und anderen mobilen Teilnehmern untersucht. Schwerpunkt ist hierbei ein Overlay-Ansatz, der die Ad-Hoc Kommunikation mit zellularer Kommunikation (beispielsweise über LTE Advanced) kombiniert.  Ebenso spielt „IT Security“ im Mobile Computing eine große Rolle.

Forschungsbereich Business Analytics

Business Analytics ist die Zusammenführung betriebswirtschaftlicher und informationstechnischer Konzepte mit dem Ziel, die Entscheidungsfindung in Unternehmen und Organisationen durch datenbasierte Verfahren zu verbessern. Der Fokus ist dabei zunehmend die Vorhersage von Entwicklungen oder sogar die Empfehlung von Handlungen. Der neue Forschungsbereich von Prof. Schmidt ist eng mit den anderen FAIWi-Forschungsbereichen verknüpft. So sind z.B. Social Software-Systeme wie Twitter eine wichtige Quelle von Rohdaten für Analysen. Die für Business Analytics und Big Data benötigten Rechen- und Speicherkapazitäten werden zunehmend als Cloud-Computing Services bezogen, was zu Konzepten wie Decision as a Service führt. Mobile Computing ist gleichermaßen Lieferant und Konsument von Business Analytics. So sind Bewegungsdaten eine wichtige Datenquelle für Business Analytics. Gleichermaßen profitieren mobile Anwendungen von Business Analytics. Forschungsziele von Prof. Schmidt sind die Entwicklung von Methoden für die Gestaltung und strategische Ausrichtung von Unternehmensarchitekturen unter Einbeziehung von Business Analytik-Elementen, die Definition von Algorithmen für die Service- und Architektur-Analytik, die Schaffung von Konzepten für den Einsatz von vorhersagenden und empfehlenden Business-Analytics-Funktionen in Geschäftsprozessen und die Entwicklung eines Rahmenwerks für das Management von Business Analytics-Services.